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Das Buch »TRANSVERSAL« geht auf ein gleichnamiges Symposion zurück, das vom 30. April bis 2. Mai 2002 in der Kunsthalle Exnergasse in Wien stattfand. Es bildete den Anfang des dreijährigen Projekts »republicart«, das durch ein Kulturförderprogramm der EU finanziert wird. Über die Ziele dieses Projekts informiert das »republicart Manifest« am Ende des Bandes. Die Institution, die das Projekt konzipiert und organisiert, ist das Europäische Institut für Progressive Kulturpolitik (eipcp), dem auch der Herausgeber des Bandes und Manifestverfasser, Gerald Raunig, angehört. eipcp wird in den nächsten Jahren zusammen mit zahlreichen PartnerInnen Ausstellungen und Veranstaltungen an verschiedenen europäischen Orten realisieren. Der »TRANSVERSAL«-Reader ist wiederum der erste Band einer Reihe im Verlag Turia + Kant, die das Projekt publizistisch begleitet. Wie schon das Symposion bringt er VertreterInnen der Bereiche Kultur, Theorie und Politik zusammen.
Dieses Zusammenführen von Positionen aus verschiedenen Feldern ist ein wesentlicher Aspekt transversaler Praxis, wie Gerald Raunig in seinem Anfangsessay erläutert. Sich auf Foucault, Deleuze und Guattari stützend, unternimmt Raunig den Versuch, mit dem Begriff der Transversalität die Politik der GlobalisierungskritikerInnen zu beschreiben. Sie sei die Antwort auf das Wie der Bewegung. Ihre Kennzeichen sind transnationale und trans-sektorale Praxen, das heißt, das Durchqueren gesellschaftlicher Felder und das Überwinden von Grenzen. Auf der Subjekt-Ebene sind somit Überlagerungen spezifischer Kompetenzen und die Beseitigung damit verbundener Hierarchien gemeint: »Intellektuelle haben keine Monopolfunktion mehr, die Welt zu erklären«.
Mit dem Begriff der Transversalität wird ein theoretisches Modell als Basis für zukünftiges politisches Handeln angeboten. Erstaunlicherweise lassen sich nur wenige AutorInnen auf dieses Konzept ein. Es sind letztendlich vorwiegend die praxisorientierten Beiträge zur autonomen a.f.r.i.k.a. gruppe, zu kein mensch ist illegal, VolxTheaterKarawane und MAIZ, die sich auf Transversalität beziehen. Einer der wenigen, der sich mit dem Konzept theoretisch auseinandersetzt, ist Oliver Marchart. Mit seiner Frage nach der richtigen Organisationsform im politischen Kampf zielt er aber weitgehend am Wesen der Transversalität und besonders an deren prozessualen Charakter vorbei. Denn diese entzieht sich großteils einer konventionellen Form der Organisierung, indem sie Perspektiven wechselt, Differenzen akzeptiert und ständig in Bewegung bleibt. Die temporäre, produktive Verkettung von Gruppen und Personen im Kampf gegen die Globalisierung, die Raunig in Anlehnung an Antonio Negri und Michael Hardt als »transversale Multituden« bezeichnet, wird bereits im anschließenden Text von Hito Steyerl auf exemplarische Weise problematisiert. Während sich Raunig vom Einheitsfrontdenken der Gewerkschaften oder der Partikularisierung von Attac distanziert, richtet Steyerl ihre Kritik direkt gegen ein prominentes Mediennetzwerk der GlobalisierungsgegnerInnen, nämlich indymedia, das in anderen Beiträgen (etwa von Andreas Görg) wieder positiv gewertet wird. Steyerl wirft ihm vor, dass es die gleiche konventionelle Informations- und Repräsentationspolitik betreibe wie die großen Medienkonzerne, nur unter verkehrtem Vorzeichen. Im wahllosen Addieren würde indymedia den Eindruck einer »voice of the people« erwecken und damit populistisch und politisch fragwürdig operieren. Dieser Text fällt auf, da er interne Diskussionen deutlich macht und dem Bild einer allzu homogenen Gruppe entgegenarbeitet.
Erstaunlich ist, in welchem Umfang Michael Hardts und Antonio Negris »Empire« in diesem Buch kritisiert wird, obwohl Raunig selbst deren zentralen Begriff der Multitude übernimmt. Gerade den Messianismus der Multitude, den die beiden Autoren sogar als »neuen Engel« titulieren, stellt Katja Diefenbach in ihrem Aufsatz jedoch in Frage; Elisabeth Mayerhofer, Monika Mokre und Paul Stepan bemängeln zudem, dass Hardt/Negri mit ihrer These des ungreifbaren Netzwerks des Empire der Identifizierung des politischen Gegners entgegenarbeiten; und Oliver Marchart zweifelt an deren Überlegung, »grinsende Dienstleistungs-Monaden« könnten das neue politische Subjekt sein. In dieser Anhäufung gewinnt man den Eindruck, dass es mehr als bloß ein Nebeneffekt ist, dass »TRANSVERSAL« verschiedene Aspekte einer linken Kritik an »Empire« versammelt. Doch all diese Reflexionen haben ihre Relevanz. Gerade sie machen das Buch zusammen mit seinen Analysen der Globalisierung(-kritik) und den aktuellen Berichten des kulturell-politischen Aktivismus zur höchst informativen Lektüre.
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