Vorschau
Heft 2/26 – Migrationsfragen
Kaum etwas wühlt unsere Gesellschaften seit geraumer Zeit so auf wie die globale Migration. Nicht nur der erstarkte Hang zu Ethnonationalismus und Autoritarismus lässt sich damit in Verbindung bringen. Auch viele weitere Entwicklungen, keineswegs zum Guten, etwa die „Rassifizierung“ aller/s Anderen oder ständig neu entfachte soziale Neiddebatten, stehen damit in Zusammenhang. Gleichzeitig produziert die migratorische Transformation des Sozialen viele neue Ungleichheiten und Differenzen, die allesamt näher zu untersuchen wären: „gute“ Migrant*innen (diejenigen, die so sind wie wir) gegen „schlechte“ (diejenigen, die immer fremd bleiben werden und sich nicht integrieren lassen); Grenzregime, im Zuge derer die einen das EU-weite ‚Recht auf Freizügigkeit‘ genießen, während andere kaum eine Chance haben die nach außen hin errichteten Barrieren jemals zu überwinden; schließlich die radikale Disparität der Migrationsursachen (Flucht vor politischer Verfolgung, Klimanotstand, ökonomische Aussichtslosigkeit, die generelle Schieflage zwischen globalem Norden und globalem Süden, etc.).
All diese Aspekte finden ihren Niederschlag im aktuellen Kunstgeschehen und werden dort auf unterschiedlichste Weise aufgegriffen. In der Ausgabe „Migrationsfragen“ wollen wir nicht nur fragen, wie eine zeitgemäße Kunst diese Prozesse und Verhältnisse adäquat widerspiegeln kann. Vielmehr soll es auch darum gehen, wie eine migrationssensitive künstlerische Praxis ein anderes, erweitertes Verständnis dieser neuen Realitäten generieren und befördern kann. Darum, wie sich alte, verkrustete oder gerade wiedererstarkende Binarismen wie „Wir“ versus „die Anderen“ wirkungsvoll unterlaufen lassen. Und wie neue, „postmigrantische“ Horizonte beschaffen sein könnten, die der unumkehrbaren Faktizität gegenwärtiger Migrationsbewegungen auf nicht-beschönigende Weise gerecht werden.
Erscheinungstermin: 15. Juni 2026