Heft 3/2001


Global Players

Editorial


»Wir werden allen den Krieg erklären, die nicht unsere Werte teilen«. Kurz nach dem monströsen Attentat auf das World Trade Center war ein ranghoher US-Politiker mit dieser Parabellum-Wortmeldung auf allen Kanälen.

Der Staatsphilosoph Carl Schmitt und der Kulturkrieger Samuel Huntington, so scheint es, haben die Ökonomen Joseph Schumpeter und Friedrich Hayek als Vordenker westlicher Weltmachtlust abgelöst. Schmitts Hegemon rüstet sich allerdings keineswegs mehr allein militärisch und ökonomisch gegenüber dem »Feind« an den Rändern. Denn das »So werden wie wir«, dieses Leitmotiv westlicher Politiken, das Dejan Jovic in diesem Heft für die Transition der ehemals sozialistischen Staaten Osteuropas analysiert, nennt nicht länger Wohlstand, Wohlfahrt und Demokratie als »unsere« Werte, sondern zielt auf ein anderes Universales: die Kultur. Jeff Derksen zeichnet in seinem Essay den theoretischen Rahmen nach, innerhalb dessen sich diese Kulturalisierung des Ökonomischen und des Sozialen entwickelt hat.

Dass die damit verbundenen Raumnahme-phantasien mit der Realität einer von immer sichtbarer werdenden sozialen und politischen Problemen belasteten westlich-kapitalistischen Welt nicht vereinbar sind, erscheint evident. Und der Blick auf die repräsentations-politischen Kleinkämpfe des kulturellen Feldes in deren Metropolen macht klar, welche Illusion sich hinter der Annahme einer globalen Homogenisierung des Kulturellen verbirgt. Ella Shohats und Robert Stams Verteidigung des Multikulturalismus amerikanischen Zuschnitts weist genau auch darauf hin.

Sicher, die Strategien und Modelle der Global Players des Kulturbetriebes Marke Guggenheim werden allerorten kopiert. Konstantin Akinshas Text in dieser springerin erzählt von den inneren Widersprüchen gerade dieses Museumsmodells, und wir verstehen ihn als unseren Beitrag zur Eröffnung des neuen Museumsquartiers in Wien.

Viele KritikerInnen einer universellen Kulturalisierung des Politischen ziehen den Schluss, dass durch diese jede kulturelle Arbeit ihre politischen Handlungsmöglichkeiten verloren habe. Dieser Pessimismus erscheint uns beim Blick auf eine Vielzahl gegenwärtiger Praxen vorschnell und unangebracht.